Pressemitteilung
Das Haus brennt - Lokaljournalismus jetzt sichern!
Foto: Dr. Bernd Seydel
Sinkende Einnahmen, wegbrechende Abonnements, ein hoher Investitionsdruck: Medienhäuser stehen in Zeiten digitaler Umbrüche vor großen Herausforderungen. „Lokaljournalismus ist Daseinsvorsorge. Daher muss die öffentliche Hand im Journalismus fördern, um die Daseinsvorsorge abzusichern”, so der Appell von Heidje Beutel, Vorstandsvorsitzende des DJV Thüringen.
Wie eine solche mögliche Förderung des Journalismus aussehen könnte und welcher Innovationen es bedarf, um lokale Berichterstattung abzusichern, diskutierten am Donnerstagabend (03.02.2022) Vertreter:innen der Branche im „Haus Dacheröden“ in Erfurt. Eingeladen hatten der Deutsche Journalistenverband Thüringen und die Friedrich-Ebert-Stiftung. Der Journalist Sebastian Haak führte die Gäste durch das Gespräch.
Medienwissenschaftler Prof. Christopher Buschow gab den Impuls zum Austausch: „Während das Haus brennt, muss gleichzeitig neu gebaut werden”, verglich er mit einem Zitat die Herausforderung, wegbrechende Geschäftsmodelle mit Investitionen abfangen zu müssen.
Im Podium äußerte Michael Tallai als Geschäftsführer der Funke Medien Thüringen, dass eine befristete Finanzierung, etwa im Zustellbereich, denkbar sei, aber die Arbeit der Medienhäuser nicht beeinflussen dürfe. Und: “Die Mehrheit unserer Redaktionen will multimedial arbeiten”, das Bestandsgeschäft mit der Zeitung sichere aber die jetzige Arbeit finanziell ab.
Boris Lochthofen, Direktor des MDR-Landesfunkhauses Thüringen, unterstrich die Systemrelevanz des Lokaljournalismus, machte mit Blick auf Google und Facebook aber auch deutlich, dass Medienhäuser die Souveränität über ihre Daten zurückgewinnen müssten. „Wir können nicht akzeptieren, dass zwei Unternehmen permanent Journalismus desinvestieren“, so Lochthofen.
Einig war man sich darin, dass es sowohl langfristige als auch Sofortlösungen brauche. Lokaljournalismus dürfe nicht mehr nur ein medienpolitisches Problemkind sein, er gehöre auch ins Wirtschaftsministerium, wo er als Chance innovativen Unternehmertums angeschoben werden solle, so ein Fazit der Diskussion. Eine Aufzeichnung der Diskussion kann HIER abgerufen werden.
Für Rückfragen: Geschäftsführer Sebastian Scholz (Mobil: 0171 8354360)